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Die Durbanville Weinroute – ein Kleinod umgeben von großen Namen.

Das kleine charmante Weinanbaugebiet in den Tygerberg Hills sollten sich Weinliebhaber nicht entgehen lassen. Nur gut eine halbe Stunde von Kapstadt entfernt warten entlang der Durbanville Weinroute zwölf Weingüter mit preisgekrönten Weinen und einladenden Weinfarmen auf: Altydgedacht, Bloemendal, D’Aria, De Grendel, Diemersdal, Durbanville Hills, Phizante Kraal, Hillcrest, Klein Roosboom, Meerendal, Nitida und Signal Gun. Diese aufstrebende Weinregion kann sich durchaus messen mit ihren großen und berühmten Schwestern Stellenbosch, Paarl und Franschhoek.

Der Weinanbau lässt sich auch im Durbanville Valley bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen, als die ersten Farmer die damals beliebte weiße Traube Cape Madeira anpflanzten. In den 1990er Jahren, mit dem Ende der Apartheid, öffneten sich die Tore für die internationale Wirtschaft und es gelangten neue Rebsorten aus Europa ins Land und eine neue und beeindruckende Weinära begann ihre Geschichte zu schreiben. Die Coastal Region, in der Durbanville liegt, ist bekannt für ihre eleganten Weine und für knackige Sauvignon Blancs. Das günstige Klima, beeinflusst durch die kühlen Winde vom Atlantik sorgt dafür, dass es nie zu heiß wird und die Trauben langsam reifen können. In Verbindung mit den nährstoffreichen Böden, die das Wasser gut halten, sind somit optimale Bedingungen für Spitzenweine gegeben. Und diese haben die lokalen Weinfarmen gemäß dem „Platter’s Wine Guide 2015“ auch zu bieten. Die aktuelle Weinbibel Südafrikas wurde von 16 namhaften Weinexperten geschrieben und führte zu beachtlichen Bewertungen.

Wählen Sie für den Besuch dieser Weinroute einen klaren Tag aus, denn einige Weingüter gewähren spektakuläre Ausblicke auf den Tafelberg. Auch wenn jede Weinfarm einen Besuch wert ist, macht es Sinn sich bei einer Tagestour auf nur zwei bis drei zu konzentrieren, dort eine Weinprobe zu genießen und sich intensiv auf das Weingut einzulassen, denn oftmals hat dieses mehr zu bieten als nur eine Weinverkostung.

De Grendel Wine Estate

Sobald Sie von der Plattekloof Road abgefahren und auf der Privatstraße zum De Grendel Wine Estate unterwegs sind, werden Sie sich auf einem idyllischen und bezaubernden Fleckchen Erde wieder finden auf dem Nguni Rinder, Ziegen und Schafe weiden und Springböcke neben Gänsen grasen. Angekommen auf dem Weingut eröffnet sich Ihnen ein sensationeller Blick auf den Tafelberg, Robben Island und die Table Bay. Die Erhabenheit dieser grandiosen Landschaft besitzt meditative Kräfte und die Welt „da draußen“ scheint sehr weit weg zu sein.

De Grendel WeingutSeit drei Generationen befindet sich das Anwesen im Besitz der Familie Graaff, die es 2006 der Öffentlichkeit zugänglich machte. Der kürzlich verstorbene Sir David Graaff begann mit dem Weinbau 1999 und holte sich als Unterstützung den renommierten Kellermeister Charles Hopkins. Gemeinsam mit der Weinmacherin Elzette du Preez haben sie seitdem Spitzenweine hervorgebracht und De Grendel Weine über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht. Zu meinen Lieblingsweinen zählt der Koetshuis Sauvignon Blanc und der Rubaiyat ’11, der mit einem bordeaux-typischen Blend die Sinne betört. Benannt wurde der Wein nach dem gleichnamigen Werk von Omar Khayyam; die in Vierzeilern verfasste persische Lyrik beinhaltet tiefe Weisheiten des Lebens und zählte zur Lieblingslektüre von Sir David. Bereichert wurde das Weingut mit dem vor drei Jahren eröffneten De Grendel Restaurant, das sich unter dem Küchenprofi Ian Bergh schnell zu einem kulinarischen Hot Spot entwickelte. Er kreiert anspruchsvolle und aromareiche Menüs die perfekt auf die De Grendel Weine abgestimmt sind. Eine sympathische Geste des Hauses: die Weine stehen zu Weinkellerpreisen auf der Karte.

Platter’s 2015 vergab *****5 Sterne (90 – 94 Punkte) mit der Bewertung „outstanding“ für die Weine: Shiraz ’12; Koetshuis Sauvignon Blanc ’14. Sowie ****4 Sterne (86 – 89 Punkte) mit der Bewertung „excellent“ für: Op Die Berg Pinot Noir ’12; Op Die Berg Chardonnay ’13; Sauvignon Blanc ’14; Méthode Cap Classique Brut ’12.

Durbanville Hills

Durbanville Hills - Tasting areaEnde der 1990er Jahre vereinbarten die Distell Group und sieben Weinerzeuger aus der Durbanville Region im Rahmen eines Joint Ventures einen High-Tech Weinkeller zur Produktion von „Durbanville Wine of Origin“ zu bauen: Die Geburt von Durbanville Hills.

2001 wurden die ersten Weine unter diesem Label auf den Markt gebracht. Ähnlich dem Weinkeller besticht auch das Haupthaus mit stylischer und imposanter Architektur und mit fantastischen Ausblicken auf die umliegenden Weinberge und die Table Bay. Die Weinverkostungen finden im großen hellen Lounge-Bereich und im Renosterveld Garden unter Olivenbäumen statt. Der geradlinige und humorvolle Kellermeister Martin Moore sorgt seit Beginn an für Beständigkeit in der Erzeugung hochwertiger Weine und investiert laufend in neueste Technologien.

Platter’s 2015 vergab *****5 Sterne (90 – 94 Punkte) mit der Bewertung „outstanding“ für den Wein: Noble Late Harvest ’13 aus der Rhinofields Range. Sowie ****4 Sterne (86 – 89 Punkte) mit der Bewertung „excellent“ für: Biesjes Craal Sauvignon Blanc ’14 aus der Vineyard Selection; Chardonnay ’12 aus der Rhinofields Range.

Hillcrest Estate

Das Hillcrest Estate zeigt sich seinen Besuchern völlig entspannt und unprätentiös. In den 1980er Jahren wurde das Anwesen von der Baufirma Haw & Inglis erworben und dient auch heute noch als Firmensitz. Nachdem der Chapman’s Peak Drive im Jahr 2000 gesperrt werden musste war es die Haw & Inglis Group, die mit modernster Technologie den Drive zu einer sicheren Strecke ausbaute.

Hillcrest_RestaurantDer neue Eigentümer erkannte schnell, dass sich der Boden von Hillcrest ideal zur Anpflanzung von Wein und Oliven eignete und so begann er Sauvignon Blanc, Chardonnay, Merlot und Cabernet Sauvignon Reben zu pflanzen und Olivenhaine anzulegen. Als ihn 2001 der heutige Weinmacher Dr. Graeme Read überzeugte einen eigenen Weinkeller zu bauen und die Trauben selber zu keltern, anstatt diese wie bisher an Durbanville Hills zu liefern, wurde kurzerhand ein Schuppen zur Weinherstellung umgebaut und so konnten in der folgenden Saison acht Tonnen Cabernet Sauvignon und Merlot Trauben gepresst und vinifiziert werden. Von der Terrasse des legeren Restaurants genießt man herrliche Ausblicke auf die umliegenden Weinberge. Die Küche wartet mit unkomplizierten mediterranen Gerichten auf, wobei südafrikanische Einflüsse und die eigenen Farmprodukte fester Bestandteil sind. Neben einer Weinprobe im Tasting Room können Sie auch die köstlichen Tapanaden, Oliven und Olivenöle aus eigener Herstellung probieren.

Platter’s 2015 vergab *****5 Sterne (90 – 94 Punkte) mit der Bewertung „outstanding“ für die Weine: Hornfels ’12; Atlantic Slopes ’12, ’13, ’14; Sauvignon Blanc ’13. Sowie ****4 Sterne (86 – 89 Punkte) mit der Bewertung „excellent“ für: Quarry ’12; Cabernet Franc ’13; Malbec ’13.

Hillcrest Quarry

Der Hillcrest Quarry – ein ehemaliger Steinbruch – ist eine ideale Location für Outdoor-Events und wird für vielerlei Veranstaltungen genutzt. Alle geplanten Events finden Sie im Veranstaltungskalender.

 

Fotos: Durbanville Hills, Hillcrest Estate

DORNIER – Kunst, Vision und Zeitgeist.

Ein kulinarischer Ausflug nach Stellenbosch.

Mit dem Namen Dornier verbindet man in erster Linie Flugzeugbau und deutsche Ingenieurskunst. Dass dieser Name heute auch in der Weinindustrie bekannt ist, verdankt er Christoph Dornier, dem jüngsten Sohn des legendären Luftfahrtpioniers Claude Dornier. Christoph Dornier (1938 – 2008) ging bereits in jungen Jahren seinen eigenen und individuellen Weg und erlangte als renommierter Künstler und Mäzen großes Ansehen. Er war oft seiner Zeit voraus und so gründete er in den achtziger Jahren eine Stiftung für Klinische Psychologie mit Instituten an mehreren Universitäten in Deutschland. In den neunziger Jahren zog es ihn nach Stellenbosch, wo er mit Dornier Wines begann. In dieser Zeit des politischen Umbruchs erkannte er die große Chance und das Potential Südafrikas. Das war jedoch nicht der einzige Grund, weshalb er dieses Weingut aufbaute. Denn vor allem liebte er als Schöngeist, Lebenskünstler und Philosoph die Mystik, die Symbolik und die Schönheit des Weins.

Dornier WeinkellerChristoph Dornier hatte nicht nur eine Leidenschaft für Kunst, Kultur und Wein, sondern auch für Architektur. Dies spiegelt sich in seinem Vermächtnis – dem Dornier Weinkeller – wider, ein architektonisches Highlight des 21. Jahrhunderts, das gegenüber dem Bodega Restaurant, einem historischen Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, errichtet wurde. Bei der Planung dachte der „Künstler“ wohl an eine Skulptur und der „Weinmacher“ an eine funktionale Produktionsstätte. Beides in einem vereint steht jetzt eindrucksvoll inszeniert und von den Stellenboscher Bergen dramatisch eingerahmt für den Besucher bereit. Soviel zur Geschichte von Dornier Wines, auch wenn nur in kurzen Zügen dargestellt. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erklären, weshalb ich von den zahlreichen und exzellenten Weingütern der Kapregion ausgerechnet mit Dornier beginne: Es sind nostalgische Gründe. Denn mein erster bewusster Weingenuss mit einem Pinotage begann mit einem Dornier Pinotage, der bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Wo? In dem hervorragendem Restaurant FIVE FLIES in Kapstadt, das leider im April 2014 seine Tore schloss. Und nun zurück zur Gegenwart!

Am letzten Samstag haben meine Gäste und ich den Stellenbosch Slow Food Market besucht. Ein erlebnisreicher und auch kurioser Markt. Denn neben allerlei Schnickschnack und lokaler Kunst-Kuriositäten gab es vor allem hervorragende regionale Lebensmittel, Früchte und Gemüse sowie hausgemachte Spezialitäten und die meisten auch zum Probieren. Ein Gaumenschmaus der besonderen Art. Vor allem, wenn man auf Schwarzwälder Kirsch Torte stößt oder Bienenstich – beides köstliche südafrikanische Kreationen basierend auf deutschen Rezepten. Und doch haben uns die regionalen Spezialitäten wie die Boerewors in verschiedenen Gewürzmischungen, Biltong – luftgetrocknetes Fleisch vom Rind und Wild – und die Vielzahl an selbstgemachten Chutneys mehr begeistert. Eines davon, ein Rote Beete Chutney aus der Karoo, war dann Begleiter des abendlichen Braais, den wir auf der Terrasse der Villa veranstaltet haben.

Leda und der Schwan - Gemälde in der Dornier BodegaMit diesen kulinarischen Eindrücken versehen fuhren wir zum Dornier Wine Estate zum Winetasting. Natürlich hat uns erst einmal die beeindruckende Architektur des Weinkellers und der Bodega fasziniert und die umrahmenden Berge, die das ganze Anwesen irgendwie zu beschützen schienen. Die heimelige Atmosphäre der Bodega wurde dabei beherrscht von dem faszinierenden Gemälde des einstigen Hausherrn Christoph Dornier. Dieses Gemälde wurde inspiriert von der griechischen Mythologie und der Geschichte von Leda und dem Schwan. Die Geschichte von Leidenschaft und Verführung ist ein Spiegelbild der zwei Naturen, die Verwandlung von Mensch zu Tier. Christoph Dornier liebte diese Mythologie. Die Verführung Ledas durch Zeus, verwandelt als Schwan, wird daher im Dornier Logo durch den Kopf Ledas und die zwei Schwanenköpfe symbolisiert.

Back to reality und zu hervorragenden Weinen von Dornier Wines. Es war ein herrlich sonniger Tag und der Wind hielt sich in Grenzen, weshalb wir uns entschieden, das Winetasting im Freien zu erleben. Als uns Samira mit dem Angebot vertraut machte war bald klar, sie ist eine Weinexpertin und Meisterin ihres Faches – nur – ist da nicht so ein kleiner vertrauter Akzent? Ja, sie stammt aus einer deutschen Winzerfamilie und verbringt gerade ihr Praktikum als Studentin für Weinbetriebswirtschaft hier auf dem Weingut. Und so erlebten wir eine intensive und erlebnisreiche Einführung in die Weine von Dornier Wines und nebenbei informierte uns Samira über die Weinerzeugung, deren Herausforderung beim Blending, also dem Verfeinern von Weinen, und so manchen interessanten Geschichten der Weinerzeugung am Kap und insbesondere bei Dornier. Dabei berichtete sie mit Begeisterung von den herausragenden Leistungen der gerade 32-jährigen Jeanine Craven, die seit März 2012 Kellermeisterin bei Dornier ist und neue Ideen und internationale Ansprüche in ihre Weinkreationen einfließen lässt. Da ich keine Weinexpertin, sondern nur Weingenießerin bin, kann ich natürlich keine professionelle Bewertung abgeben. Nur soviel zu dem Ergebnis unseres Winetastings: Wir waren einheitlich der Meinung, dass der 2014 Cocoa Hill Rosé für den heutigen Abend der perfekte Begleiter für unseren Braai sein wird.

Mehr Informationen zu den Weinen von Dornier erhalten Sie auf der Dornier Homepage.