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Lazy Afternoon an der V&A Waterfront.

Mit fröhlicher Hingabe und musikalischem Können unterhalten Straßenmusiker die vorbeiziehenden Besucher an der V&A Waterfront in Kapstadt. Und so mancher lauscht nicht nur einem Song, sondern lässt sich für eine längere Zeit nieder und sich hinreißen vom Charme, der Heiterkeit und der Gelassenheit der Künstler. Es sind jene unbeschwerten Tage, an denen man die Zeit für eine Weile anhalten und einfach nur jeden Augenblick in seiner Vielfalt und Schönheit intensiv einfangen und genießen möchte.

Einen ersten Überblick über das bunte Treiben, die unzähligen Shops, Restaurants und touristischen Angebote jeglichen Couleurs erhalten Sie, wenn Sie aus dem Victoria Wharf Shopping Center auf die Terrasse im ersten Stock heraustreten und Ihren Blick über die Hafenbucht bis hinüber zum gelb getünchten Clock Tower schweifen lassen. Vor dem Haupteingang zur Mall liegt das Amphitheater, das nicht nur von professionellen Künstlern, sondern auch gerne von illustren Laiendarstellern als Bühne für ihre Performance genutzt wird. Welche Events an der V&A Waterfront geplant sind, finden Sie im Veranstaltungskalender.

An der V&A Waterfront erleben Sie das ganze Jahr über eine gelöste Stimmung aus südafrikanischer Gelassenheit, ambitionierter Geschäftigkeit und verlockender Kulinarik. Mit einer Einschränkung: In der Zeit von Mitte Dezember bis Mitte Januar herrscht in Kapstadt und insbesondere an der V&A Waterfront absoluter Ausnahmezustand – es ist Peak Season. Dann ist die Stadt so voll mit Touristen und Einheimischen, dass Genießen und Entspannen kaum möglich sind. Der Grund, weshalb meine Reisen in dieser Zeit auch nicht stattfinden. Es sind jedoch nicht nur diese atmosphärischen Einflüsse, die die V&A Waterfront so anziehend machen, es ist vor allem die atemberaubende Kulisse, in der dies alles stattfindet. Hier der aktive Hafenbetrieb mit all seiner Lebendigkeit, dort der kommerzielle Betrieb mit seinen touristischen Ausprägungen und zudem dieser mächtige Tafelberg, der seit jeher all das kurzlebige Geschehen und die epochalen Veränderungen in stoischer Art überblickt und wie ein stiller Wächter präsent ist. Soweit zur lyrischen Charakteristik dieses Ortes.

Eine afrikanische Reiseerinnerung.

Shopping ist natürlich eines der Hauptthemen an der V&A Waterfront. Neben internationalen Modelabels finden sich vor allem afrikanische und lokale Designer, bei denen es sich lohnt, intensiver hinzusehen. Es sind nicht nur landestypische Souvenirs, die dort zu erkunden sind, oftmals ist anspruchsvolle Kunst und hochwertiges Handwerk darunter zu entdecken. Für über hundertfünfzig kleine, zumeist noch unbekannte Designer und Kunsthandwerker bieten die Hallen des imposanten WATERSHED eine ideale Plattform für deren Verkaufsstände. Eine Safari zählt sicherlich zu den intensivsten afrikanischen Erlebnissen. Alles was Sie dafür an Outdoor-Ausrüstung und Bekleidung benötigen, bietet der Cape Union Mart mit seinem ultimativen Sammelsurium von Dingen, die auf keiner Safari fehlen dürfen. Gut bewacht und im diskreten Rahmen begegnen Ihnen die wohl luxuriösesten südafrikanischen „Objekte der Begierde“: Diamanten. Wer denkt da nicht gleich an Marilyn’s unvergesslichen Song? Vielleicht kein gewöhnliches Mitbringsel und doch eine bleibende und kostbare Reiseerinnerung an eine der schönsten Städte dieser Erde. Ein traditioneller aber keineswegs old-fashioned Juwelier an der V&A Waterfront ist CHARLES GREIG mit seinen erlesenen Kreationen.

Virtuell haben Sie mittlerweile schon so einiges gesehen und vielleicht das eine und andere auch erworben, sodass es jetzt Zeit für eine kulinarische Einkehr ist. Ob Lunch oder Dinner, ganz egal, diese Restaurants passen immer.

Belthazar Restaurant & Wine Bar
Das Belthazar trat im Jahr 2004 mit der Vision an, seinen Gästen die größte Wein-Bar der Welt zu bieten und zugleich das beste Steak in der Stadt zu servieren. Ob dies heute tatsächlich so ist, lässt sich schwer beweisen. Allerdings ist die Auswahl an offenen südafrikanischen Weinen einmalig in Kapstadt und die Qualität von gut abgehangenen Steaks und fangfrischem Fisch immer wieder einen Besuch wert.

Den Anker
Ein Belgier, bekannt für köstliche Muscheln mit Pommes frites und doch greift diese Beschreibung zu kurz. Seit über zwanzig Jahren gehört Den Anker zu den renommierten Restaurants an der V&A Waterfront mit belgischen Gerichten, lokalen Spezialitäten und einer fantastischen Location.

Mondiall Kitchen & Bar
Eine gelungene Kombination aus loftiger Architektur und chilliger Atmosphäre im Stil einer amerikanischen Brasserie. Die Speisekarte wartet mit zeitlosen Klassikern auf, die mit regionalen Einflüssen und saisonalen Zutaten kreiert werden.

Kapstadts Tribut an Nelson Mandela.

Als am 5. Dezember 2013 ein Nationalheld die Bühne des Lebens verließ, trauerte nicht nur Südafrika um Nelson Rolihlahla Mandela. Er war das Gewissen und die Stimme Afrikas und bereits zu Lebzeiten eine Legende. Er öffnete den Weg für ein freies und demokratisches Südafrika und gab der Regenbogennation Hoffnung und Perspektive. Die Etappen seines langen und beharrlichen Freiheitskampfes sowie die gewaltlose Beendigung des Apartheidsregimes sind hinlänglich bekannt und fesselnd in seiner Autobiografie „Der lange Weg zur Freiheit“ zu lesen. Der Tafelberg verabschiedete „Madiba“ – wie ihn respektvoll sein Volk und ihm nahestehende Menschen nannten – mit einer spektakulären Inszenierung, die wenige Tage nach seinem Tod für eine Woche lang jeden Abend erleuchtete: Mit Laserstrahlen wurde sein Gesicht auf den majestätischen Berg projiziert. Dieses Bild lies eine bewegende und beinahe andächtige Atmosphäre entstehen, und weckte melancholische Gedanken. Während der achtzehnjährigen Inhaftierung auf der Gefängnisinsel Robben Island war der Tafelberg mit seiner imposanten Silhouette für Nelson Mandela und seine Mitgefangenen ein Symbol der Hoffnung. Er repräsentierte das Festland, von dem sie wussten, dass sie eines Tages dorthin zurückkehren würden.

Nelson Mandela Portrait am Civic Center in KapstadtPatricia de Lille, die Bürgermeisterin von Kapstadt, erklärte 2013 als das Jahr, in dem die „Mother City“ Nelson Mandelas Vermächtnis für diese Stadt feiern und ehren wird. Im Rahmen einer Ausstellung gab sie ein Porträt in Auftrag, das im Format 42 x 17 Meter an der Ostseite des Civic Centre installiert wurde. Die Vorlage für das Motiv zeichnete Linsey Levendall, ein Ex-Cape Flats Künstler. Auf den ersten Blick scheint es, als ob Nelson Mandela eines seiner typischen bunten Hemden trägt, jedoch bei näherer Betrachtung ist zu erkennen, dass es sich bei den einzelnen Motiven allesamt um Kapstadt-Szenerien handelt. Die Idee des Künstlers war es zum einen Symbole zu verwenden die alle Capetonians assoziieren können und zum anderen touristische Hotspots einzubauen, für die die Stadt weltweit berühmt ist. Und so finden sich der Brillenpinguin vor dem Tafelberg, der schirmtragende Clown beim Coon Carneval oder die Nationalblume Protea neben vielerlei anderer bekannten Themen. Wenn Sie vom Flughafen in die City fahren, dann kommen Sie zwangsläufig entlang des Nelson Mandela Boulevards am Civic Centre vorbei und können dieses Porträt nicht verfehlen. Wenn Sie jedoch die einzelnen Motive seines Shirts näher betrachten wollen, dann lohnt es sich einen kleinen Abstecher zum Hertzog Boulevard zu machen und das Kunstwerk von der Nähe aus zu betrachten.

Der wohl prägendste und weltweit bekannteste Ort der Nelson Mandela mit Kapstadt verbindet ist Robben Island. Diese Insel wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder als Verbannungsort für jene genutzt, die die Gesellschaft abschieben wollte. Da eine Flucht zum Festland aufgrund der kalten und gefährlichen Strömungen kaum möglich war, ertranken die wenigen, die es doch versucht haben in Freiheit zu gelangen oder wurden von der Polizei auf der anderen Seite am Bloubergstrand bereits empfangen und wieder zurück gebracht. Grausame Geschichten und Legenden erzählen von den Bedingungen, die an diesem Ort herrschten. Jedoch in den Fokus weltweiter Aufmerksamkeit gelangte diese Insel erst, als das Apartheidsregime ihren ärgsten Gegner 1964 dort isolierte und zu lebenslanger Haft verbannte. Was in den folgenden Jahren in dieser furchtbaren Strafanstalt durch Nelson Mandela für die Gefangenen verändert und beinahe auf menschenwürdiges Niveau gebracht wurde, ist Geschichte und eindrucksvoll in seinem Buch nachzulesen. 1996 wurde die Gefängnisanstalt aufgehoben und im darauf folgenden Jahr zum Nationaldenkmal und Museum bestimmt. Heute werden auf den ehemaligen Sträflingsbooten mehrmals am Tag Touristen auf die Insel verfrachtet, die dort per Bus eine zweistündige Tour zu den einstigen Gefängnistrakten, den Steinbrüchen und anderen historischen Orten unternehmen. Ein wenig seefest sollten Sie sein, wenn Sie die circa einstündige Überfahrt unternehmen möchten.

Zu Ehren der Nobelpreisträger.

Nobel Square an der V&A Waterfront in KapstadtZu einem Zeitpunkt, wo nicht absehbar war, wie der von Nelson Mandela initiierte Friedensprozess verlaufen würde, entschied 1993 das Nobelpreis-Komitee den Friedensnobelpreis an Präsident Frederik Willem de Klerk und Nelson Mandela zu vergeben. Bereits 1984 erhielt Erzbischof Desmond Tutu für seinen Kampf gegen die Apartheid den Friedensnobelpreis und 1960 wurde der Zulu Häuptling Albert John Luthuli damit ausgezeichnet. Diese vier südafrikanischen Kämpfer für Frieden und Freiheit erhielten in Bronze gegossen an der V&A Waterfront einen Ehrenplatz am Nobel Square. Mitte Oktober letzten Jahres sollte das 14. Welttreffen der Friedensnobelpreisträger in Kapstadt in Gedenken an Nelson Mandela stattfinden. Als die Regierung in Pretoria jedoch dem Dalai Lama die Einreise verweigerte, sagten die Preisträger geschlossen ab. Harsche Kritik hagelte es daraufhin von Desmond Tutu: „Ich schäme mich, diesen speichelleckerischen Haufen als meine Regierung zu bezeichnen“.

Buchtipp: Vor wenigen Wochen erschien die deutsche Ausgabe des Buches „Good Morning, Mr. Mandela“ von Zelda la Grange, die fast 20 Jahre lang seine persönliche Assistentin war. Kein Enthüllungsbuch, jedoch eine liebevolle Hommage an einen charismatischen Staatsmann.

 

Foto Kapstadt: Pierre-Jean Durieu / Shutterstock