Blick auf die Cape Flats vom Rhodes Memorial aus

Einst geachtet – heute vom Sockel gestoßen …

Die Geschichte Südafrikas ist geprägt von grausamen Kämpfen, zeitweiligen Eroberungen, verheerenden Vernichtungen und blühendem Aufbau und zugleich von leidenschaftlichen und ambitionierten Menschen, die mit ihrer Lebensleistung Geschichte geschrieben haben – mit unterschiedlichen Zielen, Ausprägungen und Folgen. Eine der schillerndsten Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts war zweifellos ein junger kränkelnder Engländer, der es im Laufe seines kurzen Lebens nicht nur zu immensen Reichtum brachte, sondern mit seinem imperialen Anspruchsdenken ein führender Akteur im Wettlauf um Afrika wurde. Es ging damals um nichts weniger, als um die koloniale Vorherrschaft des afrikanischen Kontinents. Seine Vision war ein „britisches Afrika“ vom Kap bis nach Kairo – ein Gedankengut der damaligen Zeit.

… Cecil John Rhodes.

Als 17-Jähriger kam Cecil 1870 nach Südafrika in der Hoffnung, seine Tuberkulose dort ausheilen zu können. Kurze Zeit später brach der Diamantenrausch in Kimberley aus, den er für sich mit Glück und Geschick zu nutzen wusste. Zehn Jahre später, mit dem Erwerb der Minenrechte am Big Hole von Kimberley setzte er den Grundstein seines gigantischen Firmenimperiums und gründete gemeinsam mit seinem Partner Charles Rudd die De Beers Mining Company. Wenige Jahre später kaufte er mehrere Goldminen am Witwatersrand in Transvaal auf, die ihm weiteren unermesslichen Reichtum brachten. Damit einhergehend war ein politisches Engagement seinerzeit geradezu eine verpflichtende Aufgabe, die Cecil Rhodes mit Leidenschaft für das British Empire übernahm. Zunächst ist er Mitglied des Parlaments der Kapkolonie, bevor er 1890 Premierminister wird. Parallel zu seinem politischen Engagement gründete er die British South Africa Company, ein britisches Wirtschaftsunternehmen, das Gebiete des heutigen Simbabwe und Sambia erschloss und verwaltete, die seinerzeit nach ihm benannt Süd- und Nordrhodesien hießen. Er war es auch, der damals die Eisenbahnbrücke über den Sambesi an den Viktoria-Wasserfällen initiierte, um die wirtschaftliche Anbindung zu Südafrika zu ermöglichen. Ein Visionär und Macher seiner Zeit. Er starb mit 48 Jahren am 26. März 1902 in seinem Ferienhaus in St. James in der False Bay und wurde in Simbabwe auf einem Granithügel, einem heiligen Ort des Ndebele-Volkes, in den Matopos Hills bei Bulawayo bestattet.

Einen Großteil seines Vermögens vererbte Cecil Rhodes an die Universität Oxford. Testamentarisch hat er verfügt, dass die Stipendien dazu beitragen sollen, dass Führungskräfte, die bereit waren, sich für ihre Mitmenschen einzusetzen, für ihre Aufgaben durch die akademische Ausbildung in Oxford und den Austausch miteinander in besonderer Weise vorbereitet und motiviert werden sollen. Die Liste der erfolgreichen Stipendiaten ist lang: Howard Florey, der das Antibiotikum Penicillin für die Massenproduktion tauglich machte, Staatsmänner wie Bill Clinton und Richard von Weizsäcker, Schauspieler und Künstler wie Kris Kristoffersen u.v.a.m. Das Rhodes-Stipendium, das seit 1903 Hochbegabte nach Oxford führt, ist legendär und umfasst ein Graduiertenstudium – Master oder Promotion – mit Übernahme sämtlicher Kosten.

Cecil Rhodes schenkte zudem seine Grundstücke unterhalb des Devil’s Peak der Stadt Kapstadt, die dort später die Universität errichtete, weshalb seit 1934 seine Statue auf dem Campus steht. Dieses Denkmal musste nun im April 2015 von der Universitätsleitung aufgrund massiver Studentenproteste entfernt werden. Ausgerechnet ein südafrikanischer Rhodes-Stipendiat, Ntokozo Qwabe, brachte die „Rhodes-Must-Fall“-Kampagne von Kapstadt nach Oxford und löste dort ebenfalls hitzige Diskussionen aus, die dazu führten, dass das Oriel-College bis zum Sommer entscheiden will, ob die dortige Statue von Cecil Rhodes verbleiben oder entfernt werden soll und wie sie mit dem Andenken ihres größten Stifters zukünftig umgehen wird.

Zu Ehren von Cecil Rhodes wurde 1912 auf seinem ehemaligen Anwesen am Osthang des Devil’s Peak das imposante, aus Granit des Tafelbergs erbaute, Rhodes Memorial errichtet. Für Cecil Rhodes ein besonderer Ort wie seine Freunde sagten, an dem er gerne saß, vielleicht über sein Leben sinnierte und Kraft tankte. Eine Reiterstatue unterhalb der Treppe blickt nach Norden, in die Richtung, in die Rhodes das britische Empire vergrößern wollte. Bereits die Anfahrt dort hinauf lässt unmittelbar das städtische Geschehen verklingen und der schattige Weg, der durch Pinienwälder führt, kündigt die Ruhe und die Beschaulichkeit dieses Ortes an. Hinter dem Rhodes Memorial befindet sich ein großer Parkplatz, von wo aus in wenigen Minuten das Denkmal zu erreichen ist. Ein grandioser Blick auf die Cape Flats eröffnet sich einem und mit etwas Glück lassen sich Antilopen, Mungos und Bergziegen, genauer gesagt Himalaya-Tahre, beobachten. Vom Rhodes Memorial Restaurant & Tea Garden aus können Sie dieses Panorama in einer idyllischen Atmosphäre genießen. Um einen Platz direkt an der Brüstung mit freiem Blick zu erhalten, ist jedoch eine Reservierung sinnvoll.

Eine kleine Wanderung zur Woodstock Cave

Vom Parkplatz aus führt ein teilweise sehr steiniger Weg zur Woodstock Cave, eine Höhle oder eigentlich eher ein Überhang auf halber Höhe zum Devil’s Peak mit einer Breite von 50 Metern, einer Tiefe von 15 Metern und einer Höhe von 4 Metern. Die etwa einstündige Wanderung ist nicht besonders anstrengend, allerdings sind Wanderschuhe oder festes Schuhwerk ratsam. Der Wanderpfad ist gut ausgeschildert. Erst führt er zum „Kings Blockhouse“, von dort geht es weiter Richtung „Kapstadt“ bis man eine Ruine erreicht, über der die Höhle zu sehen ist. Die Belohnung für den kleinen Aufstieg ist ein fantastischer Blick auf Kapstadt, den Lions Head und in die Table Bay.